Geschichte des Samojeden und Die Samojeden der Jamal Halbinsel


GESCHICHTE DES SAMOJEDEN

von Marina Kuzina (Englisch: Vladimir Beregovoy, Deutsch: Sabine van Wel)

Veröffentlichung: www.pads.ru - TO PRESERVE THROUGH EDUCATION

Die Hunde, die von den Entdeckungsreisen Fritjof Nansens zurück kamen, werden als die Ahnen des Samojeden betrachtet.
Es bleibt ein Mysterium von vielen, wo genau die für die Entdeckungsreisen von Nansen verwendeten Hunde gekauft worden
waren. Grönland, Chukotka und sogar die Amur Region wurden schon als mögliche Ursprungsgebiete erwähnt …

Ich stelle hier Fakten aus einigen Dokumenten vor, die Licht in das Dunkel um den Ursprung dieser Hunde werfen können.

Im späten Herbst, frühen Winter 1892 war Baron Toll in Tyumen. Auf Bitte von Nansen suchte er nach einem passenden Mann,
 
der ihm in einer vereinbarten Spanne Schlittenhunde Teams kaufen und nach Yugor Shar liefern konnte. Der ehemalige Gouverneur
von Tobol empfahl Herrn Trontheim als einen Mann mit Erfahrung und Wissen über die Arktis. In Übereinstimmung damit
unterzeichnete Herr Trontheim einen Vertrag mit Baron Toll, demgemäß dieser vom Sosva Flussgebiet 30 der besten auserlesenen
Hunde kaufen sollte, die für die Arbeit im Geschirr geeignet

seien. Die Hunde sollten über den Bergkamm des Ural in Yugor Shar nicht später als Anfang Juli verladen werden und in Khabarovo
auf die Ankunft des Schiffs von Nansen warten.

Nach der Unterzeichnung des Vertrags ging Trontheim nach Berezovo ( unterer Sosya Fluss) und traf dort am 16. Januar ein wo zu
dieser Zeit das große Treffen der Völker der Ostyaken und Samojeden stattfand. Diese Gelegenheit nutzend, kaufte Trontheim 33
ausgewählte Hunde die zum Schlittenziehen trainiert wurden. Um ihre Ausdauer zu prüfen, wurden sie zu drei Schlittenteams
eingespannt, die jeweils mit 160 Kg Ladung plus einem Passagier beeladen wurden.

Trontheim reiste mit diesen Schlitten-Teams erfolgreich von Berezovo nach Muzhi. Hier begann er, sich für die weitere Reise
vorzubereiten. Vor dem eigentlichen Abreise-Tag fing das Abenteuer an, Trontheim bereitete 12.800 Kg Futter für die Hunde vor,
das hauptsächlich aus Trockenfisch bestand. Er heuerte auch einen Zyryan ( Renhirten, Renzüchter) mit einer Herde von 450
Rentieren an, der ihn zusammen mit Hunden und Ladung nach Yugor Shar führen sollte. Einige der Rentiere sollten verwendet
werden, um die Hunde zu füttern.

Am 4. April fuhren sie von Muzhi ab. Vier Hunde wurden jeweils vor einen Schlitten gespannt. Die Tour bewegte sich ziemlich
schnell fort. Während des Tages machten sie zwei Halts, einen für das Mittagessen und einen um nachts zu kampieren. Der
Zyryan Rentier-Züchter war dabei auf seiner üblichen Saisonreise mit der Familie, einschließlich Frauen und Kindern.

Daher stellten sie jeden Abend ihre Zelte auf, entfachten ein Feuer und kochten Essen für Leute und Hunde. Dann schlief das
komplette Lager ein, einige Hunde hatten die Aufgabe das Lager zu bewachen und die Rentiere zu hüten. Früh in der Morgen-
dämmerung, als es noch möglich war unter Mithilfe der Hunde die Rentiere zu scheiden, sammelte der Zyryan seine Rentiere,
packte die Zelte und entfernte sich wieder.

Bei der Ankunft der Schlittenteams in Khabarovo schien es, dass Nansen und sein Schiff "Fram" noch nicht angekommen waren
und es notwendig werden würde auf ihre Ankunft zu warten.

Trontheim wählte für sein Camp mit den Hunden einen Platz zwischen dem Strand und Dorf. Ein Samojeden-Mann (Nenze) wurde
engagiert um auf die Hunde aufzupassen. Trontheim kaufte 30 puds (480 Kg) Fleisch und 15 puds (240 Kg) Fisch, während der
Wartezeit begannen mehrere puds von Fleisch und Mehl zu verderben, für das er 2 Rubel 50 kopeken pro pud (16 Kg) bei lokalen
Leuten und Fischern bezahlt hatte. Während sie auf die Ankunft der "Fram" warteten, verbrachten sie die Zeit jagend und auf die
Hunde aufpassend, die in ausgezeichneter Kondition waren.

Das lange erwartete Schiff kam am 18. Juli an. Trontheim fuhr mit einem kleinen Samojeden-Boot dem Schiff entgegen. Sich dem
Schiff nähernd schrie er auf Russisch und wurde so an Bord genommen. Hier traf er auf einen energischenMann, in der Statur
nicht gross. Er trug eine ölige Arbeitsjacke. Trontheim nahm an,dass es sich um einen Matrosen oder Besatzungmitglied handeln
würde. Es stellte sich heraus, dass es der Kopf der Entdeckungsreise, Nansen selbst war. Er entlohnte Trontheim nach seiner Reise
grosszügig und setzte sofort zur Küste über, um die Hunde zu prüfen.

Nansen prüfte und beurteilte mit den anderen Mitgliedern seiner Mannschaft die Hunde am Strand, es waren acht Hunde pro
Schlitten mit drei Passagieren eingespannt. Nansen war mit den Hunden sehr glücklich und bedankte sich bei Trontheim für die
gute Wahl und ihrer ausgezeichneten Kondition. Dies wurde in einem Zeugnis dokumentiert, das auf Deutsch geschrieben an
Trontheim übergeben wurde.

Zitate:

"Im Januar diesen Jahres befahl ich, Baron E. von Toll Herrn Alexander Ivanovich Trontheim, 30 ausgewählte Schlitten-Hunde
für meine Entdeckungsreise zu polaren Gebieten zu kaufen und sie mir nach Khabarovo zu liefern. Er vollbrachte diese Aufgabe
zu meiner ganzen Befriedigung. Es war ein Vergnügen zu sehen, wie er dieser Arbeit nachkam, seine Rechnungen bemerkenswert
regelmäßig und genau hielt, wie es selten gesehen wird. Hieraus gewann ich einen sehr guten Eindruck und ich kann ihn weiter
empfehlen. Heute erhielt er einen Goldorden, der von seiner Majestät Oskar II, König von Norwegen und Schweden für seinen
Dienst für unsere Entdeckungsreise verliehen worden ist. Khabarovo, am 3. August 1893. F. Nansen."


"am 29., kamen wir in Khabarovo an; wir nahmen 33 Hunde an Bord. Am 2. August nahmen wir Wasser für das Schiff und am
3. August lichteten wir Anker und entfernten uns"
– so schrieb ein Journalist der Londoner Zeitung, Olly Christophorson.

Wie war das weitere Schicksal dieser Hunde?

Nansen und Johansen brachten 28 Hunde zum Nordpol. Diese Tiere kamen jedoch nicht zurück. Die letzten Hunde der polaren
Reisenden waren Kaifas und Suggen (Riese).

Auf der "Fram“ im Polarmeer, war Otto Sverdrup zum Kommandant ernannt worden. In seiner Abrechnung "über die Reise der
Fram nach dem 14. März 1895" gibt es einige Daten zu den restlichen Hunden:

"Nansen und Johansen hinterliessen sieben Hunde: ein Weibchen genannt Sussy und ihre sechs Jungen Kobben, Snadden, Bellya,
Squint, Axel und Boris". Zweifellos waren alle anderen Hunde, die an Bord "Fram" von Khabarovo mitgenommen worden waren
aus verschiedenen Gründen in 2 Jahren verendet außer 28 von Nansen zurückgebrachten Hunden. "Am 25. April brachte Sussy
einen anderen Wurf von 12 Welpen zur Welt. Alle jungen Hunde waren groß und hübsch, und die Mehrzahl von ihnen war weiß.
Sie würden wahrscheinlich "bjelki" aufwachsen, wie Nenzen gewöhnlich alle weißen Hunde nennen". Drei dieser Welpen starben
später.

Am 9. Oktober brachte Squint einen Wurf zur Welt. Squint war aus dem ersten Wurf von Sussy. Nur ein junger Hund wurde bei
ihr belassen. Eine Woche später brachte Sussy einn Wurf von neun Hündinnen und zwei Rüden zur Welt. Aus diesem Wurf wurden
2 Rüden und eine Hündin am Leben gelassen."

So steht auf der Abrechnung von Otto Sverdrup, dass am Ende des Reise der "Fram", 20 nah verwandte Hunde übrig blieben.
Ihr Schicksal nach der Rückkehr nach Norwegen wird in mir verfügbaren Dokumenten nicht erwähnt. ( die Autorin)

Gemäß fragmentarischer Daten aus Aufzeichnungen, die von Nansen und Sverdrup hinterlassen worden sind, waren alle diese
Hunde stark, zäh und beim Ziehen von Schlitten ausgezeichnet; sie arbeiteten sehr gut bei der Jagd nach Eisbären. Beschreibungen
jener Jagden dokumentieren, dass gute Schlitten-Arbeit, Jagdfähigkeit und Bärenaggressivität sowie Intelligenz der Hunde nicht
ausschließt. Leider gab es keine Fotographien in einigen dieser Abrechnungen. In den Zeichnungen jedoch werden große, zottige
und überwiegend weiße Hunde gezeigt.

Diese Informationnen wie oben beschrieben, sind sachdienliche Hinweise, wie diese Hunde zur modernen Rasse des Samojeden
beitrugen. Welche dieser Hundetypen können in ihrem Heimatland noch gefunden werden? 1962 zeigen von Vladimir Beregovoy
genommene Fotographien ziemlich typische Samojeden. Leider sind die aktuellen Bedingung der eingeborenen Hunden dieses
Gebiets unbekannt.

Quellen, Literatur:



  1. Krylov, A. A. 1893. “Meet Nansen (excursion to Yugor Shar)”, Gubernator’s typography in Tobolsk. [In Russian]
    2. Nansen, Fritiof. 1956. “Fram in Polar Sea”.

  2. Government’s publishing of geographic literature [In Russian: Gos. Izdatelstvo geograficheskoi literatury] Moscow.

  3. Account of Captain Sverdrup about Travel of “Fram”. In the book by Fritiof Nansen “Fram in Polar Sea”1956. Government’s Publishing
    of Geographic Literature [In Russian: Gos. Izdatelstvo geograficheskoi literatury]. Moscow.

































Die Samojeden der Jamal Halbinsel von/by Vladimir Beregovoy - Übersetzung S. van Wel     

  

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Noho (das bedeutet Jäger in der Sprache
der Nenets ) mit seinen Besitzern als
Vladimir  ihn das erste Mal sah.
Juni 1962,  Poluy Fluss


Noho (it means hunter in Nenets
language) with his owners .
June, 1962, the Poluy River.

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Raiz Plateau,. auf dem Bild nimmt 
Vladimir ein Foto von Noho

oberhalb des Flusses Sob  mit dem
angrenzenden Labor-Camp wo sie  Station machten


Raiz Plateau, below the Sob River
with an abandoned labor camp where we stationed. On the picture Vladimir taking a picture of Noho

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Samojeden Rüde, Noho.
Unglücklicherweise zwinkert er im Moment


Samoyed male, Noho. Unfortunately
he blinked at the moment

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Hanty Camp bei Kotravozh, 
Ob Fluss, August 1962

Hanty camp near Kotravozh,
the Ob River, August, 1962

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Am Sob Fluß
The Sob River

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Blick auf das Raiz Plateau und den Sob, südliches Yamal

A view at the Raiz Plateau and the Sob River, southern Yamal

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Noho am Ufer des Poluy Fluß
Noho at the bank of the Poluy River



Zu Anfang  des 20. Jahrhunderts schenkten die Russen den eingeborenen Nordischen Hunden ihres Landes keine besondere Aufmerksamkeit.
Reinrassige lokale Schlitten-Hundeschläge und Mischungen mit Importhunden wurden zur Zugarbeit verwendet. Gemäß einer offiziellen
Bestandsaufnahme von 1926-1927 betrug die Anzahl von Schlittenhunden in den arktischen Regionen Russlands 54.483.
Während jener Jahre wurden Ideen über den Gebrauch von Schlitten- und Hütehunden für die Rentierherden diskutiert, aber nichts Ernsthaftes
war in dieser Richtung getan worden.
Die Kommunistische Führung in Moskau glaubte begeistert an einen schnellen technologischen Fortschritt, um das Land im 20. Jahrhundert
vorwärts zu bringen. Hunde wurden als ein Relikt der Vergangenheit betrachtet und sollten durch motorgetriebene Fahrzeuge ersetzt werden.
Deshalb befahl man einfach den lokalen Amtsrichtern, Hunde unverzüglich erschießen zu lassen. An vielen Orten im Russischen Norden wurde
dies auf eine brutale Weise durchgeführt. Hunde wurden außerhalb der Dörfer angebunden und erschossen. Glücklicherweise konnte dies nicht
überall durchgesetzt werden, in erster Linie wegen der Weite des Landes und der Unzugänglichkeit der nördlichen Territorien.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, mit der Vergrößerung von Arbeitslagern und der Industrieerschließung in den Arktischen Gebieten Russlands, wurde
die Identität der restlichen eingeborenen Hunde durch den Zulauf von europäischen Rassen, die mit Leuten gekommen waren bedroht. Unter den
Importen waren meist vertreten der Schäferhund, verschiedene Jagdhunde, irische Setter und Spaniels. Reinrassige Schäferhunde sind schlechtere
Schlittenhunde, als die anderen mitgebrachten Rassen. Nach einem Arbeitstag im Geschirr brauchen sie eine Ruhephase von ein paar Tagen. Für
importierte Rassen ist die arktische Umwelt sogar im Sommer, wegen der Attacken durch Moskitos und schwarze Fliegen sehr hart. Jedoch sind
Mischungen von eingeborenen Hunden mit Schäferhund und anderen Rassen gesund. Die Härte des Lebens in der Tundra dient als natürlicher Schutz
der sibirischen Hunderassen vor genetischer Veränderung.
In Juni - August 1961 reiste ich mit einem Team von Zoologen zur Jamal Tundra, wo ich an meiner Graduierung in Ornithologie arbeitete. Wir
verbrachten ungefähr zwei Monate im Arktischen Ural Gebiet und südlichen Teilen der Jamal Halbinsel. Ich hatte eine ausgezeichnete Gelegenheit, 
Hunde zu beobachten und Einheimische nach ihren Hunden zu befragen.
Hunde waren überall ein gewöhnlicher Anblick. Nahe der Städte hatten die meisten Hunde Merkmale importierter Rassen wie Hängelefzen, hängende
Ohren, tonnenförmige Brust, kurze Beine, welliges Haar und ungewöhnliche Fellfarben. Es schien, dass sich die Leute nicht besonders sorgten, welche
Art Hunde sie vor den Schlitten spannten.
Weiter von Städten entfernt gab es jedoch mehr gleichartige, spitzartige Hunde mittlerer  Größe. Die nomadisch lebenden Menschen, die im arktischen
Ural und der Jamal Halbinsel leben nennen sich selbst Nentsy, Nenets. In ihrer Sprache bedeutet das einfach Mensch. Im alten Russland wurden diese
Leute Samojede genannt, was in der russischen Sprache wörtlich übersetzt Kannibale bedeutet. Weil diese Bezeichnung abfällig klingt, begannen die
Russen sie "Nenets" statt "Samojeden" zu nennen. In der russischen Sprache wird der eingeborene Hund der Nentsy Nenets-Laika genannt, der Laika zum
Hüten der Rentiere. In den USA und Europa verbinden wir den Namen Samojede mit einer Rasse, die aus den eingeborenen Hunden der Nentsy hervor-
gebracht worden ist. Die Russen verwenden die Bezeichnung Laika für alle Hunde Nordischen Typs mit spitzem Fang, stehenden Ohren und wolligem
Haarkleid. Straßenhunde mit einem ähnlichen Aussehen würden auch Laika genannt. Laika ist ein gebräuchlicher Name für im Haushalt gehaltene
Promenadenmischungen. So war der erste Hund im Weltraum eine ziemlich kleine weibliche Promenadenmischung mit hängenden Ohren und wurde
Laika genannt. Obwohl dieser Hund Nichts mit den Nordischen Hunden Russlands zu tun hatte, ihr Name "Laika" war der Grund für die Fehlinformation,
dass die Russen Laikas in ihren Raumforschungsprogrammen verwendeten.

Beschreibung der Eingeborenen Hunde der Nentsy.

Wir sahen die typischsten eingeborenen Hunde an den Ufern des Poluy Flusses und anderer Stellen weiter von den Städten entfernt.


Erscheinungsbild

An beiden Ufern des Poluy Flusses, einem Zulauf des Ob Flusses, sehen fast alle Hunde dem Samojede ähnlich. Die meisten dieser Hunde haben eine
langes, dem Samojeden ähnliches Haarkleid. Jedoch sind ihre Größe und die Farbe des Haarkleides mehr variabel. Die Größe variiert sich von klein bis
mittel und groß. Wegen des zottigen Fells scheinen diese Hunde kräftiger, als sie tatsächlich sind. Sie alle sind mager und leicht gebaut. Die Gewicht variiert
ungefähr von 15 bis 30 Kg.




Haarkleid

Das Haarkleid besteht aus langen glatten und harten Deck-Haaren und sehr dicker wolliger Unterwolle, die sogar im Sommer auf dem Hund bleibt. Tatsächlich
dient sie den Hunden gut in Winter und Sommer. Das Deck-Haar ist rauh und glatt und der fallende Schnee klebt nicht daran fest. Das Haarkleid hält im Winter
warm und schützt im Sommer vor Moskitos. Eingeborene kämmen ihre Hunde niemals. Im Juni haaren die Hunde stark ab. Altes und neues Haar formt oft
Matten, die am Körper des Hundes baumeln. Einige der Matten sind dauerhaft und können nur mit der Schere entfernt werden.

Gegen Ende Juni sieht die Jamal Tundra sehr schön aus. Mit gelben Arktischen Mohnblumen und verstreuten Flecken noch schmelzenden Schnees. Jedoch ist
der heitere Anblick irreführend. Dies ist die Zeit in der Moskitos und schwarze Fliegen schwärmen. Nachts kann die Temperatur in die Nähe des Gefrierpunktes
fallen, so ist ein wärmendes Haarkleid für Hunde anscheinend erforderlich.

Es gibt viele Hunde mit bisquit- und weißer Farbe, aber weiße Hunde mit schwarzen Flecken und völlig schwarze Hunden sind sehr häufig. Weiße und
bisquitfarbene Hunde haben braune Nasen.

Kopf

Der Kopf ist keilförmig und von oben gesehen dreieckig. Bei großen Hunden ist der frontale Teil des Schädels flach oder leicht gerundet, der Fang ist lang und
stark. Bei grossen Tieren ist der Fang genauso lang wie das Schädeldach. Bei kleineren Hunden ist der Fang kürzer als der Schädel und neigt dazu, etwas kantig
zu erscheinen. Der Schädel von kleineren Hunden ist leicht gewölbt.


Gebiß

Die Zähne sind groß und stark, gleichmäßig. Das Gebiß ist ein Scherengebiss.

Augen

Die Augen sind braun, mandelförmig und schräg eingesetzt.


Ohren

Die Ohren sind von der mittleren Größe und stehen immer aufrecht, wenn nicht bereits durch Hundekämpfe verletzt. Bei kleinen Hunden sind die Ohren
proportional größer und stehen weiter auseinander.

Hals

Der Hals ist stark und von mittlerer Länge, erscheint aber kurz wegen des langen und dicken Fells..


Rute

Die Rute wird hoch gebogen über dem Rücken getragen und liegt entweder zur einer Seite, oder über dem Rücken. Es gibt Hunde mit über dem Rücken
geringelter und mit sichelförmiger Rute.




Körperbau

Der Körper ist mager, aber muskulös. Die Brust ist tief und relativ schmal. Das Abdomen ist in der Mitte hochgezogen. Größere Hunde haben proportional
längere Beine als kleinere Hunde. Bei größeren Hunden sind die Hinterläufe gut gewinkelt und gesetzt und von hinten gesehen, ein weinig  kuhhessig. Die
Fussform ist weder Katzen- noch Hasenfuß. Die Füsse haben lange, wohlgeformte Zehen mit dicken Polstern und Krallen. Tatsächlich hat die Mehrzahl der
örtlichen Hunde die wir sahen nach aussen gedrehte Vorderfüsse  und kuhhessig gesetzte Hinterbeine.

Die Fortpflanzung

Weibchen werden unabhängig von der Jahreszeit zweimal im Jahr läufig. Die Zahl der Welpen pro Wurf variiert zwischen 3 und 7 Jungen. Die Hündinnen
sind ausgezeichnete Mütter. Findet der Wurf  im Frühling oder Sommer statt, machen sie sich ein Wurflager zurecht und bekommen und pflegen ihre Welpen
ohne jeden Eingriff des Menschen. Würfe in der Winterzeit werden mit der Mutter in das Haus genommen.

Gut ernährte reinrassige, eingeborene Hunde haben vor Erreichen der 8 Lebenswoche aufrecht stehede Ohren.


Bellen

Die eingeborene Hunde der Nenets bellen sehr gut und häufig. Die Hunde bellen bei Aufregung, bei der Hütearbeit oder schlagen bei der Jagd auf kleines Wild an.
Sie bellen immer, wenn sich eine fremde Person oder ein fremder Hund ihrem Hausterritorium nähert.


Die Lebensweise der Nentsy

Nahe Salekhard und Labytnangy findet man überall Hunde. Die Mehrheit dieser Hunde zieht im Winter Schlitten, aber im Sommer wird ihnen erlaubt frei umher zu
streifen. Sie werden nicht regelmäßig gefüttert und sind immer auf der Suche nach Nahrung.Sie jagen alle Tiere, die kleiner sind als sie selbst, fangen aber auch z.B.
 Rentiere. Ihre charakteristische Beute umfasst Lemminge, Wühlmäuse und andere Nagetiere. Polarfüchse und Arktische Hasen, die ihre Nähe riskieren, werden
immer gejagt und machen manchmal eine Mahlzeit der Hunde aus.

Nenets und Hanty behandeln ihre Hunde gut. Die übliche Zahl von Hunden pro Haushalt liegt bei einem bis fünf Hunden. Nenets und Hanty erlauben ihren Hunden
den Aufenthalt innerhalb ihres Zeltes (ein tipi-artiges konisches Zelt aus Holzpfosten und Rentier-Häuten). Während der Mahlzeiten formen die Hunde einen zweiten
Kreis hinter den Rücken der Menschen. Gelegentlich werden Knochen oder Fisch-Stücke für die Hunde geworfen. Raufereien über das Fressen sind sogar innerhalb des
Zeltes häufig, aber die Leute lachen allgemein darüber und gehen nicht dazwischen. Nachts wird den Hunden erlaubt im Inneren bei den Leuten zu bleiben, man
hält einander warm.

Nenets schätzen ihre erwachsenen Hunde hoch, ein Welpe kann aber verschenkt oder für eine Flasche Wodka getauscht werden.


Fütterung der Hunde

Nenets und andere Eingeborene der Region verwenden ihre eigene Methode Weißfisch haltbar zu machen (Coregonus sp.) Frischer ganzer Fisch, nicht entgrätet
oder gehäutet, wird in einer Grube im Permafrost-Boden zwischen Schichten von Schilfgras eingegraben. Evtl. gesalzener Fisch wird abwechselnd mit einer Schicht
Schilfgras geschichtet, bis die Grube gefüllt ist. Einmal befüllt, wird Alles mit Schilfgras, Erde und Eis bedeckt. Nenets und andere Eingeborene verwenden sehr wenig
Salz auf dem Fisch oder benutzen es überhaupt nicht. Nach einer ausgedehnten Lagerung vermindert sich der Fischgeruch nicht, es stinkt noch ziemlich stark und das
Fleisch trennt sich leicht von den Gräten  Dies wird begierig, sowohl von Menschen als auch von Hunden gegessen. Die auf diese Weise haltbar gemachte Fischmahlzeit
hat einenungewöhnlichen Geschmack. Aber Einheimische und Hunde sind der beste Beweis, dass das Essen nahrhaft und offensichtlich sicher ist. Immerhin ist diese
Tradition Hunderte von Jahren alt. Im Winter und im Sommer füttern Nenets und Hanty  ihre Hunde mit allen Tafel-Abfällen. Werden Hunde für die Arbeitverwendet,
 bekommen sie Renntier-Fleisch, Robben- oder Wal-Fleisch mit dem Tran und viel Fisch jeglicher Art.

Heute sind die Nenets frei, ihr Leben mit ihren Hunden und Rentieren fortzusetzen. Ich hoffe nur, dass der pure eingeborene Hunde-Typ noch im Land der Nentsy und
der Russen existiert. Die Russen arbeiten bereits an der Etablierung der Rasse Nenets-Hütehund (Nenetskaya Olenegonnaya Laika)


Beziehung zum Menschen.

Der Ur- Samojede ist menschenfreundlich und wackelt mit dem Schwanz um Besucher grüßen. Jedoch bleiben sie dem Fremden nach dem ersten Gruß fern. Obwohl
sie menschenfreundliche Hunde sind, bellen sie immer wenn sich fremde Leute ihrem Dorf nähern.

Beziehung zu anderenTieren

Hunde von Nentsen, die in demselben Haushalt zusammenleben, stellen hierarchische Beziehungen miteinander her. Jedoch sind Konkurrenzkämpfe und kleine Kämpfe
um die Vorherrschaft üblich und kommen vor. Mit fremden Hunden wird enthusiastisch gekämpft und ein solcher Eindringling kann getötet werden, weil alle Hunde
den ihn gleichzeitig angreifen.

Ur- Samojeden können leicht erzogen und ausgeildet werden, friedlich mit den Nutz-Tieren mit denen sie umgehen müssen zu leben. Sie leben zusammen mit
domestizierten Rentieren. Als neue Kolonisten im Arktischen Ural und der Jamal Tundra jedoch Ziegen, Kühe und Katzen mitbrachten, wurden diese Tiere durch 
Hunde schließlich getötet falls sie unbeaufsichtigt belassen worden waren.

Verwendung der Hunde

Im Arktischen Uralund der  Jamal Halbinsel und weiter nach Osten werden langhaarige, dem Samojede ähnliche Hunde verwendet um Rentiere zu hüten.
Mit ihrer Arbeit helfen diese Hunde Herden zusammen zu behalten und zu anderen Weideplätzen zu führen. Im Winter helfen Hunde verlorene Rentiere zu
finden. Wenn die Hunde streunende Rentiere weit weg vom Lager finden bleiben sie bei ihnen für eine lange Zeit, manchmal sogar einige Tage ohne Nahrung
und schützen dann die Rentiere. Die Hunde bellen viel, das hilft ihrem Besitzer sie zu finden. Ausdauer, Mut und Entschlossenheit  dieser Hunde sind erstaunlich.

Eine andere gewöhnliche Art der Verwendung von eingeborenen Hunden bei den Nenets ist das Jagen. Die Hunde Jagen wie Vorstehhunde. Sie zeigen die Beute
an, Eichhörnchen und anderes kleines Wild. Trotz des langen Haarkleides werden einige dieser Hunde als Apportierhund ausgebildet und arbeiten gut bei der
Entenjagd. Sie zögern nicht, zu schwimmen oder bei Minustemperaturen ins Wasser zu gehen. Ich selbst kaufte einen zweijährigen Rüden, der ein prima Jagdhund
wurde.
Im Arktischen Ural Gebiet und der Jamal Tundra, dem Rentier-Weideland, ist das Ren das hauptsächlich als Zugtier eingesetzte Tier. Weiter im Norden in der
arktischen Tundra, wo Rentiere wegen der Abwesenheit von Flechten nicht überleben können, werden gewöhnlich Hunde eingesetzt, um Schlitten zu ziehen.

Im Winter werden Ur- Samojeden häufig in bitterer Kälte als Schutz bei der Herde belassen oder angebunden. Diese Hunde müssen häufig unter den harten
Bedingungen eines Schneesturms arbeiten oder sich einschneien lassen. Im Sommer ist ihr Leben kaum leichter als im Winter.

Im Juni-Juli ist in der Jamal Tundra Mücken-Saison. Versucht man die Mücken abzuwehren, fliehen sie noch nichteinmal. Eine Hand einmal gegen den Rücken
einer anderen Person gedrückt zählten wir alle getöteten Mücken mit 70-80 Stück pro Qadratzoll!

Jeder Hund hier gräbt ein individuelles Loch am Flussufer, um den grössten Teil seines Körpers darin zu verbergen. Eine Brise vom Fluss bläst die Mücken von
den Hundeköpfen  weg. Das stellt nur eine teilweise Erleichterung dar. Das Maul jedes Hunds ist mit Narben und blutenden, wunden Stellen bedeckt, auch weil
die Hunde oft selbst kratzen.

Einheimische töten gewöhnlich niemals Hunde als Nahrung außer in selten vorkommenden verzweifelten Situationen im Winter.


Gesundheit

Die Hunde der Nentsy und anderen Völkern des arktischen Ural Gebiets und der Jamal Halbinsel sind sehr zäh. Wir beobachteten während unseres Besuchs
keine erblichen Gesundheitsprobleme unter den einheimischen Hunden.

Erhaltung

Im arktischen Ural und der Jamal Halbinsel und ebenso weiter nach Osten in Taimyr werden langhaarige, eingeborene Hunde zum Rentierhüten, als Jagdhund und
zum Schlittenziehen noch allgemein eingesetzt. Während der letzten Jahre werden häufiger kleinere Hunde gebraucht, weil sie weniger Nahrung benötigen. Die
Verwendung von Motorschlitten für die Arbeit mit Rentieren lässt den Bedarf nach schnellen, starken Hunden sinken. Jedoch sind Hunde unentbehrlich, weil der
Besitzer sicher sein kann dass sie zurückkommen würden und nicht in einem Schneesturm verloren gehen. Sie können auch bei der Arbeit mitdenken und helfen
verlorene Rentiere zu finden, selbst dort,wo ein Motorschlitten nicht eingesetzt werden kann.