IG-Samojede Deutschland - Tourensport mit Samojeden


Der Touren-Sport mit Samojeden  (Autor u. © Adelheid Weiss)
Zur Erhaltung der reinrassigen Schlittenhunde bieten der DCNH zusammen mit dem seinen Mitgliedern artgerechte Betätigung in Form von Touren, Leistungsprüfungen und Vielseitigkeitsläufen an.
Hierbei soll nicht die Leistung (Fähigkeit zu Höchstgeschwindigkeit) gefördert werden, sondern alle, dem Standart der reinrassigen Schlittenhunde entsprechenden Eigenschaften wie
Kraft, Ausdauer, Wiederstandsfähigkeit, Genügsamkeit, Führigkeit und ein nicht aggressives Verhalten. 
Der DCNH (Deutscher Club für Nordische Hunde)  bietet zusammen mit dem DSLT (Deutscher Schlittenhundesportclub für Langstrecken) mittlerweile ein reichhaltiges Tourenangebot an. Dies reicht von der einfachen Anfängertour bis hin zur anspruchsvollen Tour für Tourenerfahrene, sogar mit Biwak. Leider kann das Tourenprogramm nicht beliebig weit aufgestockt werden, da das fahren mit (Schlittenhunde-)Gespannen im Wald in vielen Bundesländern verboten ist und dort, wo es erlaubt ist zum Teil nur eingeschränkt möglich ist.
Beim Tourensport geht es nicht um Schnelligkeit, sondern um das Fahren in der Gemeinschaft. Im Mittelpunkt steht die artgerechte Beschäftigung mit dem Hund.
Es hat manchmal einen Hauch von Abenteuer an sich, denn man weiß nie, was einem auf den Strecken erwartet. Nicht jeder Musher (Fahrer) kann sich einen Urlaub im Norden leisten, aber möchte mit seinen Hunden dennoch anspruchsvollere und weitere Strecken erfahren.
Will man den Tourensport betreiben, ist einiges zu beachten
Das Geschirr: Es muss gut passen, darf nicht drücken oder scheueren.
Gesundheit: Man startet nur mit gut trainierten Hunden. Sie dürfen nicht krank sein oder frisch geimpft (dann erst nach 5 allerhöchstens 3 Tagen teilnehmen). Der HD Grad sollte nicht schlechter als HD C 2 sein (leichte HD) und bei den Samojeden sollte man die Rippen gut fühlen können. Sie dürfen aber nicht dünn sein, da gerade der Tourensport (so wie im Long Distance Rennbereich) Reserven erfordert.
Ernährung: Eine entsprechend hochwertige Ernährung muss das ganze Jahr über gewährleistet sein. Reines Hochleistungsfutter gibt man aber erst , wenn man mindestens 20 km mehrmals wöchentlich trainiert/fährt. Denn gerade der Samojede zieht auf grund seines ursprünglichen Verdauungstraktes sehr viel aus dem Futter heraus und daher ist es nicht notwendig (zu belastend für den Organismus) immerzu Hochleistungsfutter zu geben. Höhere Leistungen sind von Hunden auf  Dauer nur dann zu erfüllen, wenn das Verhältnis zwischen nährstoffverbrauchenden Stoffwechselvorgängen und nährstoffnachliefernder Ernährung im Gleichgewicht steht. Der Energiegehalt sollte so eingestellt sein, daß der Bedarf des
Leistungshundes bereits mit einer Futtermenge abgedeckt werden kann, die nicht zu einer zusätzlichen Belastung durch starke Füllung des Magen-Darm-Traktes führt.
Die Hunde sollten bereits (2 Std. bis spätestens 30 Min.) vor Tourbeginn gut gewässert werden.
Kurz vor dem Tourbeginn:   Lassen wir die Hunde noch einmal in den Garten, damit sie sich lösen können.
Muss ein Hund dennoch sein Geschäft verrichten, so wird man das Tempo verringern, damit er lernt sich während des Laufens zu lösen. Nicht in jedem Fall wird das gelingen, dann lasse ich mir eben die Zeit und bleibe stehen.
Am Wagen haben wir eine Katzenschaufel angebracht, mit der wir dann meist die Scheiße vom Weg räumen. Für den Sprintsport ist das natürlich ungünstig, da bei einem großen Gespann viel Zeit verloren geht.
Die Ausrüstung:
Der Wagen, Schlitten, das Fahrrad usw.  sollten mit gut funktionierende Bremsen versehen und stabil genug gebaut sein, für die Fahrten im zum Teil unwegsamen Gelände. Die Ausrüstung muss man immer mal wieder kontrollieren und gegebenenfalls ausbessern oder ersetzen. Ein Transportsack ist unbedingt empfehlenswert.
Am Ausgangspunkt sollte das Fahrzeug so ausgerichtet werden, das möglichst keine zu umfahrenden Hindernisse im Weg stehen. Denn gerade zu Anfang sind Tiere noch stürmisch und voller Tatendrang.
Der Trainingswagen (Schlitten, das Rad usw.) wird gut gesichert:
Feststellbremse anziehen. Krallenbremse einstellen. Sicherheitsleine mit Panikhaken am Baum oder die Anhängerkupplung, die Stake out Stange befestigen. Wenn nötig den Leithund vorne mit einer Leine anhängen an
z.B. einen Baum oder vermittels eines Schneeankers sichern.
Was in den Packsack gehört:
Ein Rucksack ist sehr nützlich. Denn man kann ihn im Notfall auf den Rücken packen, wenn beispielsweise ein Hund verletzt ist und Platz im Transportsack geschafft werden muss.
Rotes Kreuz Sets für den Hund (e) und für den Mensch(en) muss unbedingt mitgenommen werden und schnell greifbar sein.
Wichtig sind auch Notfalltropfen. Kreislauftropfen. Traubenzucker (Am besten in Körpernähe tragen).
Ebenfalls am Körper: Ein Taschenmesser (um verwickelte Hunde abschneiden zu können. Unbedingt griffbereit)  und ein Handy
Booties, Karabinerhaken, Ersatzleine(n), Ersatzgeschirr(e) u. -Halsband(bänder).
Reparatur- und Flickmaterial für das Gefährt. Ersatzschlauch und Luftpumpe.
Behälter mit ausreichend zimmerwarmen Wasser (die Menge richtet sich nach der Außentemperatur und der Streckenlänge) zum wässern und im Notfall zum (langsamen) übergießen (der Gliedmassen/Körperregionen) eines kollabierenden Hundes.
Wasserschüsseln oder ähnliches zum wässern.
Trinken für den Musher und einen kleinen Snack zum Essen.
Belohnungshappen für die Hunde.
Topographische Karte. Kompass. Kleingeld. Handy. Insbesondere in unbekannten Gebieten und auf sehr langen Strecken.
Der Leithund
Was einen guten Leithund ausmacht wird man besonders im Tourensport feststellen können. Er läuft unbeirrt auch abseits der Wege, dorthin wo der Musher ihn hin schickt. Meist hat der Leithund eine besonders intensive gefühlsmäßige Bindung an seinen Führer. Es gibt Samojeden die dabei auch noch sehr sensibel sind. Würde der Fahrer ungehalten sein und sogar brüllen, könnte es sein, dass der Samojede dann die Arbeit verweigert, oder sich stur stellt. Besser ist es wenn man den Leithund weder pausenlos anfeuert, noch fortlaufend ermahnt. Vielmehr gibt man ihm klare und wenn nötig energische Kommandos, aber das wichtigste, zumindest beim Samojeden, ist das richtige Loben. Gelobt wird immer direkt und nur unmittelbar nachdem der Hund etwas richtig gemacht hat. Eine minimale Tempoerhöhung nimmt er auch als Bestätigung war. Auch aus Fehlern lernt das Tier. Ein klares NEIN und manchmal kurzes Abbremsen oder halten genügt in vielen Situationen. Dann neues Kommando und sofortiges Lob/Beschleunigung als Bestätigung.
Das Tempo sollte man nicht zu schnell angehen, sondern von Anfang an den flotten Trab anstreben (eventuell etwas herunterbremsen). In dieser Gangart können einige Samojeden sehr schnell voran kommen und über viele km beibehalten, dazu auch noch ziehen. Natürlich dürfen die Tiere auch zwischendurch ab und zu im Galopp rennen, doch nicht durchgehend, denn sie müssen lernen ihre Kräfte ein zu teilen, sich nicht auf den ersten Kilometern zu verausgaben. Denn man muss damit rechnen Umwege zu fahren und dann werden aus 25 km plötzlich 35 km und mehr. Man kann versuchen dieses flotte trabende Gangart auch beim Bergab fahren zu nutzen.
Gerade Junghunde können sich die Kraft noch nicht so gut einteilen. Selbst wenn sie gut trainiert (aufgebaut) wurden, sobald mehrere Gespanne zusammenkommen rennen die Samojeden meist schneller als im Training. Dann muss man sie gut beobachten. Neigt ein Hund zu Stressdurchfall, verausgabt sich ein Tier zu sehr und schwankt?
Dann ist es gut wenn man ihn ausspannen und frei mit laufen lassen kann. Da zieht er dann nicht noch zusätzlich. Dadurch entfällt die Zugarbeit (Zugarbeit ist erwiesenermaßen 150% anstrengender als das mitlaufen am Rad). Er kann sich erholen, sein Puls normalisiert sich wieder. So kann er oft nach einigen Kilometern wieder eingespannt werden.
Ansonsten muss man eine Pause einlegen und/oder den Hund in den Packsack nehmen. Für manche ist das Tempo auch bei langen, steilen Bergabfahrten zu schnell. Die Gründe hierfür können unterschiedlich sein. Sie blockieren, das geht dann auf die Gelenke und Ballen. Diesen Hunden hilft auch eine Auszeit im Sack, denn sie schaffen das ziehen bergauf und auf ebener Strecke dennoch meist sehr gut.