Schlittenhundesport mit Samojeden (Copyright: Adelheid Weiss)


Zunächst etwas zu meiner Person:
Über 28 Jahre habe ich mit vielen unterschiedlichen Samojeden gearbeitet,
sie ausgebildet und in meiner Funktion als DCNH Leistungsprüfer beurteilen
können. Ich sammelte Erfahrungen am Schlitten, Trainingswagen und Pulka in
den Bereichen Sprint, Middel- und Long-Distance, auf Vielseitigkeitsläufen
und Touren. Meine eigenen Hunde legten alle die DCNH/VDH
Schlittenhunde-Leistungsprüfungen (LP1, LP 2 und LP 3) ab, eine Handvoll
zudem noch den schwedischen Arbeitstitel PDP.


Die nachfolgenden Aufzeichnungen spiegeln lediglich meine Erfahrungen und
Gedanken darüber wieder, welche Standartanforderungen und Eigenschaften ein
Samojede mitbringen sollte als Schlittenhund und worauf man bei dieser Rasse
achten sollte.


Ein Samojede mit guten Anlagen als Schlittenhund kann durchaus den
Anforderungen des Standards entsprechen. Schönheit und Leistung müssen sich
nicht zwangsläufig ausschließen.


Der Rassestandart erlaubt einige Variationen im Typ des Samojeden. Wollte
man ihn einzig für den Gebrauch als Schlittenzughund züchten, müsste man
sein Aussehen auf einen ganz bestimmten Typ reduzieren.
Die Mehrzahl der Samojeden variieren im Typ und zeigen einen guten
Arbeitswillen in verschiedenen Bereichen. Sie sind anpassungsfähig und
vielseitig veranlagt, bereit mit zu machen als fleißiger Helfer bei Arbeit,
Sport und Spiel, gleichzeitig einfühlsame und liebevolle Familienhunde. All
diese Eigenschaften sind das Erbe des Ursprungs-Samojeden welcher in allen
Lebenssituationen Gefährte und Helfer der Nomaden war, im Überlebenskampf in
den unwirtlichen nordischen Regionen.


Der Samojede ist auf Grund seines Arbeitswillens und seines Bewegungsdranges
unter anderem auch sehr gut geeignet für die Arbeit vor dem
Schlitten/Trainingswagen oder einer Pulka. Leider sieht man Samojeden heute
nicht mehr so oft im Zughundesport wie es wünschenswert wäre.


Anatomisch gesehen ist er nicht unbedingt der schnelle Sprinter (Galopper),
eher ein Traber, der konstant mit weit ausgreifenden Schritten und viel
Schubkraft aus der Hinterhand über große Distanzen hinweg ausdauernd Lasten
zu ziehen vermag. Ein insgesamt ausgewogener harmonischer Körperbau ist die
beste Voraussetzung für einen flüssigen und effektiven Bewegungsablauf.
Ein mittelmäßig ausgewogener Samojede kann seine Arbeit immer noch erfüllen
sofern sein Herz- Kreislaufsystem und seine Arbeitsmoral stimmen.


Wünschenswert ist ein richtiges Verhältnis von Körper- und Beinlänge, ein
kräftiger gut gebogener und muskulöser Hals, ein kräftigen Kopf mit
keilförmigen Schädel welcher weder extreme Längen- noch Breitenentwicklung
zeigt, mit einem nicht zu ausgeprägten Stop, da eine zweckmäßige Stirn
weniger Wiederstand gegen Kälte aufweist.


Ein Samojede mit optimalem Gangwerk vermag ziemlich schnell, ausdauernd und
kraftvoll zu traben, seine Bewegung wirkt fließend und erscheint mühelos,
auch Galoppeinlagen sind kein Problem. Er rennt nicht mit erhobenem Kopf
sondern hält diesen ziemlich niedrig. Die Ohren sind sehr beweglich und
meist in Richtung des Fahrer gerichtet.
Hunde die mit erhobenen Kopf rennen, haben nicht genug Raumgriff in der
Vorhand und sind dadurch in der Regel weniger schnell. Schmeißen sie die
Hinterbeine beim rennen zu hoch geht das zu Lasten der Schubkraft. Der Hund
sollte - bei welcher Gangart auch immer – geradlinig laufen. Aufmerksam
sollte man werden, wenn der Hund ständig schräg läuft (Krebsgang) oder
überwiegend im Passgang. Ein Samojede mit einem uneffektiven Gangwerk muss
entsprechend mehr Energie aufbringen um vorwärts zu kommen und ermüdet
dadurch schneller.


Den gleichmäßigen Bewegungsablauf erkennt man beim Zughund an der gespannten
 nicht hin und her schwingenden Tugline (Zugleine).


Galopper haben meist längere Gliedmassen, einen schmalerer Körperbau, harte
aber schlankere Knochen, einen längeren und tieferen Brustkorb.
Samojeden bieten nach ihrer Bauart ein harmonisch ausgewogenes Gesamtbild.
Als Traber zeigen sie im Gegensatz zum Galopper kürzere Laufknochen und
gleichzeitig eine elastischere Winkelung der Gliedmaßen. Auch wenn die
leicht langgestreckte Form günstiger sein mag, sollte jede Übertreibung beim
Samojeden vermieden werden, denn in der Rumpflänge führt sie unweigerlich
zur Lockerung und Schlaffheit des ganzen Gefüges und zu Weichheit der
Muskulatur. Für die zu leistende Schlittenarbeit ist außer dem optimalen
Gangwerk aber auch ein kräftiger, muskulöser Körperbau unabdingbar.


Je mehr sich Arbeitshunde zur Kraftform entwickeln, um so mehr verkürzen
sich auch ihre Laufknochen, gleichzeitig wird die Winkelung wieder steiler
und somit stabiler, die Schrittlänge kürzer, der Kopf oft kräftiger und der
Hals kürzer.
Samojeden benötigen für die Arbeit als Schlittenhund eine angemessene
Beinstärke, sollten nicht zu schwerknochig sein, ansonsten müsste er mehr
Energie aufwenden um die zusätzliche Masse zu bewegen und sinkt z.B. tiefer
in den Schnee ein. Große Hunde neigen auf Grund ihres Gewichtes eher zur
Überhitzung als Kleinere. Ein mittelschwerer Samojede verbraucht weniger
Energie und kann seine Ausdauer leichter steigern.
Meist besitzen sie auch die nötige Wendig-/Behändigkeit ihrer Uhrahnen
welche unter allen Witterungsverhältnissen, im tiefen, schweren Schnee, auf
Eis, im Morast und schwankenden Moosböden laufen mussten.


Nicht alle Samojeden haben die gleiche Fähigkeit Wärme abzuführen. Hierbei
ist u.a. auch die Fellqualität entscheidend. Samojeden mit besonders dichtem
 langem Fell sind generell gefährdeter zu überhitzen, besonders im Sommer
wenn keine Luft an den Körper gelangen kann. Da sich die Fellqualität bei
kastrierten Hunden dramatisch verschlechtert muss man besonders gut auf sie
achten was die Überhitzung, Verunreinigungen und Trockenhaltung angeht.
Ideal ist natürlich ein gut funktionieren- und isolierendes, aber nicht zu
schweres Fell (Qualität vor Quantität) welches keinen Schnee reinlässt,
Feuchtigkeit wirksam draußen lässt, und selbstreinigend ist. So sind
Arbeitshunde die verdreckt und nass zurückkommen erstaunlich schnell wieder
trocken und vom Dreck/Unrat befreit.
Wenn sich Schlittenhunde im Schnee zum Schlafen zusammenrollen, so tun sie
dies um ihre Eigenwärme möglichst bei sich zu halten, ein längerer gut
behaarter Schwanz mit welchem sie ihre Schnauze und den Kopf gegen den Frost
schützen ist vorteilhaft.
Nicht unterschätzen sollte man die Pfotenqualität des Samojeden denn je
schneller und weiter er läuft umso wichtiger sind die Pfoten. Die optimale
Form ist weder „katzenförmig“ (rund), noch „hasenförmig“ (sehr lang),
sondern liegt dazwischen. Eine zu enge/runde oder zu kleine Pfote kann
problematisch sein. Zu große Pfoten mit weit gespreizten Zehen,
längerem/weichen Fell nehmen zu viel Schnee auf, so entstehen Eisklumpen.
Die Hunde lahmen und die Verletzungsgefahr nimmt entsprechend zu. Gute
Pfoten sind kräftig, robust, gut stützend und nicht übertrieben behaart.


Ein weiterer Aspekt ist der Charakter. Ideal wäre der Samojede mit einer
guten psychischen, freundlichen, selbstbewussten und lauffreudigen
Ausgeglichenheit.
Aggressive Samojeden sind problematisch was das entspannte Fahren angeht,
sei es nun untereinander, bei Überholvorgängen oder Hundebegegnungen.
Ängstlichere Samojeden benötigen, sofern sie talentiert sind, mehr Geduld
und viel Training im Schlittenhundesport. Oft lohnt sich aber der Aufwand.


Man wird überrascht sein wie viele natürliche Instinkte in Samojeden stecken
 wenn sie körperlich gefordert werden: Sie besitzen eine großartige Ausdauer
und Zugkraft, laufen im Schneesturm, finden verschneite Trails, bewältigen
schwierigste Situationen (Untergründe, Abgründe, Aufsteige usw.), rasches
Akklimatisieren, Anpassungsfähigkeit an Höhenmeter, widrigsten
Wetterbedingungen und wechselnde Temperaturen, robuste Gesundheit und
-Vorsorgevermögen (einschneien, eingraben, sofortiges wälzen im Schnee nach
Durchqueren eines Gewässers usw.).


Ganz egal welche besonderen Fähigkeiten der Schlittenhund besitzt,
entscheidend ist das er Leistungen zuverlässig und ausdauernd erbringt.
Samojeden müssen sorgfältig antrainiert werden und sollten nicht überfordert
werden, indem man z.B. gleich von 4 km auf 20 km aufstockt. Als 1jähriger
hat der Samojede noch nicht sein athletisches Potential erreicht. Ältere
Hunde laufen oft etwas langsamer über große Entfernungen. Die
Geschwindigkeit richtet sich immer nach dem langsamsten Hund im Team.


Konditionstraining ist am effektivsten beim ideal gewichtigen Samojeden. Sie
sollten regelmäßig auf ihr Idealgewicht überprüft werden. Damit man
Gewichtsschwankungen schneller mitbekommt sollte der Rippentest durchgeführt
werden.
Samojeden benötigen das ganze Jahr über qualitativ hochwertiges Futter und
nur im Winter auf Langstrecken ist entsprechendes Hochleistungsfutter
notwendig.
Gute Ernährung ist sehr wichtig damit der Samojede sportliche Leistung
erbringen kann. Im Nachteil sind zu dicke, aber auch zu dünne Hunde. Zu
schwere Samojeden werden schneller überhitzen, zu dünne Hunde verfügen über
weniger Energiereserven und Bemuskelung um Bestleistung zu erbringen.


Ohne regelmäßiges Training kann es schneller zu Verletzungen, Zerrungen und
nachlassender Muskulatur kommen. Samojeden benötigen im Gegensatz zu andern
Schlittenhunderassen das ganze Jahr über Training, da sie bereits bei
3wöchiger Pause konditionell abbauen und dann schwieriger zu motivieren sind
Leistung zu bringen. Zum Glück kommen sie auf Grund ihrer
Anpassungsfähigkeit an extrem klimatische Bedingungen mit Hitze besser
zurecht als andere Schlittenhunderassen. Unsere Samojeden nehmen im
Hochsommer sogar sehr gerne Sonnenbäder.
Dennoch empfiehlt sich in der wärmeren Jahreszeit bei Temperaturen bis ca.15
Grad Celsius leichtes Kurzstrecken-Zugtraining ohne Stress oder Druck,
frühmorgens oder spätabends wenn es kühler ist. Ausreichend wässern (nicht
zu kaltes Wasser) vor und nach dem Training sowie zwischendurch in den
Pausen ist unbedingt notwendig.
Beim Zugtraining muss man mehr aufpassen das die Hunde nicht überhitzen, als
wenn sie im Training frei laufen können (z. B. beim langsamen Radfahren oder
Joggen), da harte Arbeit auch mehr Wärme erzeugt. Bei sehr hoher
Luftfeuchtigkeit oder Hitze stellt man das Training ein. Ersatzweise hält
man Samojeden fit durch Schwimmen und Wandern.
Samojeden können bei entsprechendem Trainingsaufbau sehr gut schwere Lasten
ziehen. Sie lieben das Berge fahren, wobei man sie bei Bergabfahrten
herunter bremsen sollte, damit sie ziehend mit straffer Zugleine
heruntertraben. Dieses gibt ihnen Sicherheit und auch Kraft für den zügigen
Aufstieg. Aber Achtung! Samojeden sind sehr lernfähig, je mehr man mithilft
– also mit pedalt - desto weniger arbeiten sie selbst.
Der am härtesten arbeitende Hund im Team muss nicht zwangsläufig auch der
beste Arbeiter sein. Hart arbeiten heisst beim Hund nicht, dass er der
schnellste, ausdauerndste und leistungsfähigste ist, zudem er eher zur
Überhitzung neigt. Wenn dem Samojeden die Möglichkeit gegeben wird, bis an
sein Limit zu gehen, stellt sich heraus, was er eigentlich leisten kann.
Hunde dürfen aber nicht ständig an ihre Leistungsgrenze gehen, da dies auf
Dauer schädlich sein kann. Ein guter Arbeiter denkt wie ein Wolf, Energie
einsparend sucht er den einfachsten Weg und teilt sich seine Kräfte ein, hat
selbst nach längeren Läufen noch genügend Leistungsreserven übrig.
Samojeden lieben die Abwechslung. Immer die gleiche Strecke und
Wiederholungen mögen sie gar nicht. Sie werden dann langsamer und
unmotiviert, das kann sogar bis hin zur Arbeitsverweigerung gehen. Beispiel:
wenn sie eine Strecke das 3. mal absolvieren sollen.
Samojeden müssen auch verschiedene Situationen kennen lernen, denn ein
kontrolliertes Samojeden -Team ist einfacher zu fahren und vermindert das
Risiko für Fahrer, Hunde und andere Teams.


Auch wenn man anfangs vielleicht einiges an Zeit und Geduld aufbringen muss,
zahlt es sich später aus, alle Samojeden in verschiedenen Positionen laufen
zu lassen. Es ist wie beim Autofahren. Der Fahrer wird leichter und
gründlicher mit der Strecke vertraut und kann mit der Zeit meist
ausgezeichnet navigieren. Anders der ewige Beifahrer, der sich auf den
Fahrer verlässt und somit die Fähigkeit sicher zu führen und sich alleine
zurecht zu finden nicht entwickeln konnte. Würde man einem Hund nie die
Chance geben vorne zu laufen, kann er natürlich nicht so ausgezeichnet
navigieren wie der alte Leithund auf den sich der Fahrer immer verließ.
Natürlich werden nicht alle automatisch super gute Leithunde, der ein oder
andere wird als richtiger Leithund total untauglich sein, aber im Notfall
hat man dann zumindest einen Ersatz der sich zurechtfindet und hin und
wieder wird man überrascht sein, über Hunde die plötzlich sogar Spaß haben
am navigieren.
Wenn möglich sollte man die Hunde auch in anderen gleich schnellen Gespannen
und zusammen mit verschiedenen Rassen einspannen.


Der Samojede muss konsequent erzogen werden. Er sollte nicht bestimmen
dürfen wo es lang geht, muss lernen das man sich auch mal von seinem Team
trennt, sicheres halten und warten, am Auto oder Stake out vorbeifährt, dass
nicht immer an der gleichen Stelle gewässert wird, das Selbstbedienung in
Wasserrinnen und Tümpeln nicht erwünscht ist, ebenso ständiges markieren.
Anderenfalls gestaltet sich der Samojede sein Training selbst, ohne das es
dem Fahrer zunächst bewusst wird. Von Vorteil ist es, wenn man in der Lage
ist, die Freude am Arbeiten in Samojeden zu wecken, ihre Körpersprache und
das Ausdrucksverhalten „lesen“ und einschätzen vermag, um zu wissen, wann
sie überfordert sind, Stress haben, wann man stoppen muss, wie müde oder
überhitzt sie sind u.d.m.
Samojeden sind sehr feinfühlig was Emotionen angeht, sie merken wenn der
Fahrer unzufrieden ist, schlecht gelaunt, gereizt ist oder Stress hat.
Entsprechend unmotiviert bis verunsichert verhalten sie sich. Man muss schon
eine sehr gute Bindung zu ihnen aufbauen, darf sie nicht drillen um noch
schnellere Zeiten hin zu bekommen.
Lauffreude, Spaß und Lob sind ihr wichtigster Antrieb, ebenso das sie etwas
mit ihren geliebten Menschen zusammen unternehmen, der sich notfalls für sie
einsetzt. Gemeinsames Tun mit gegenseitiger Achtung ist sehr motivierend für
Samojeden.
Um ein Samojedengespann aufzubauen muss der Fahrer konsequent sein, benötigt
Nervenstärke, Selbstdisziplin, Geduld, Durchhaltevermögen und
Einfühlungsvermögen für diese Rasse. Fehler sind dabei nicht ausgeschlossen
und passieren Jedem, aber man muss sie erkennen und das Beste ist, daraus zu
lernen.


Danken möchte ich meinen Freunden Angela Reuther und Marina Arend für ihre
Assistenz.